Bad Schlema

Ortsgeschichte

Unser junger Kurort blickt auf eine traditionsreiche und wechselvolle Geschichte zurück. Eine glanzvolle Zeit erfuhr der Ort mit dem Aufblühen des Radiumbades Oberschlema in den 1920er Jahren. Mehrmals mussten Kurhaus und Kuranlagen erweitert werden.
Zu den wohl berühmtesten Gästen gehörte auch Schauspielprominenz wie Heinz Rühmann, Grete Weiser, Brigitte Horney oder Hans Albers.

Über 800 Jahre ist es her,

dass das Schlematal dauerhaft besiedelt wurde. Die Ortslage von der Mulde bis zum Hammerberg nannte man das niedere Schlema und die Siedlung von da an bis zum Schneeberg bezeichnete man als das obere Schlema. Im 14. Jahrhundert wurden die Ortschaften zum ersten Mal erwähnt und bald endgültig als Nieder- und Oberschlema bezeichnet.

Schon seit Anbeginn versuchten sich die Schlemaer im Bergbau; zunächst im Eisen-, bald darauf im Silber- und später im Kupferbergbau. Um 1470 schürften Schlemaer Bergleute auch am benachbarten Schneeberg und stießen auf unerwartet reiche Silbervorkommen. Im Schlematal entstanden in der Folge mehrere Hammerwerke und Schmelzhütten, die das gebrochene Erz aufbereiteten. Um das in den immer größeren Tiefen des Bergbaus anstehende Wasser ableiten zu können, wurde um 1500 an der Mulde beginnend unter dem ganzen Schlematal bis nach Schneeberg und Neustädtel ein über 40km langer Entwässerungsstollen, Marx-Semmler-Stolln genannt, in den Fels getrieben. Das in den Gruben dringend benötigte Holz musste zur gleichen Zeit schon über weite Strecken in das fast baumlose Bergbaugebiet gebracht werden. Zur Erleichterung dessen legte man von 1556 - 1559 den 16 km langen "Schneeberger Flößgraben" zum Flößen des Holzes aus den obererzgebirgischen Wäldern an.

Der Legende nach erfand Christoph Schürer in einer Schlemaer Schmelzhütte eine kräftige blaue Farbe - das Kobaltblau. Daraus entstand an der Grenze zwischen Nieder- und Oberschlema 1558 eine Blaufarbenmühle, die 1644 zu einem Blaufarbenwerk erweitert werden konnte und bald mit 45 Gebäuden zum größten Blaufarbenwerk der Welt wurde. Das Kobaltblau aus Oberschlema schmückte bald Delfter Kacheln, Meißner Porzellan und böhmisches Glas.

Die Industrialisierung des 19. Jahrhunderts brachte auch für das Schlematal umwälzende Veränderungen. In Oberschlema siedelten sich Buntpapierfabriken, kleine Stickereifabriken und ein Emaillierwerk an. In Niederschlema dominierten die vielen neuen leistungsstarken Werke, besonders des Maschinenbaus, der Papierindustrie und der Textilherstellung.

Das beginnende 20. Jahrhundert

hielt für Oberschlema eine ganz andere Entwicklung bereit. Bei Untersuchungen der Schlemaer Wässer stießen 1908/9 Freiberger Wissenschaftler auf einen enormen Gehalt an natürlichem Radon. Der Oberschlemaer Richard Friedrich führte die Untersuchungen fort und sicherte bis 1913 einen beachtlichen Bestand an neu gefassten Quellen, welche die höchste Radonkonzentration aller natürlichen Wässer der Erde aufweisen konnten. Oberschlema besaß damit ein ein-zigartiges Naturwunder, das zum Wohle der Menschheit und zum Segen des Ortes kommerziell genutzt werden sollte. Nach vielen Schwierigkeiten konnte 1918 das "Radiumbad" in Oberschlema eröffnet werden. Die steile Entwicklung Oberschlemas zu einem renommierten Badeort in den 1920er Jahren wurde zu einer in der deutschen Bäderge-schichte beispiellosen Erfolg. Schon 1930 besuchten über 10.000 Kurgäste im Jahr Radiumbad Oberschlema, wie sich der Ort seit 1924 nennen durfte. Mehrmals mussten das Kurhaus und die Kuranlagen erweitert werden und weit-läufige Parkanlagen mit schmucken Fremdenheimen und modernen Hotels bereicherten das Ortsbild. Ende 1943 zählte man schon über 17.000 Kurgäste für das laufende Jahr und man bestätigte, dass schon eine Viertelmillion Kranke Heilung an den Oberschlemaer Radonquellen gefunden hatten.

Erste Ausgabe von Radonwasser
Kurzentrum des Radiumbades
Kurgäste im Kurgarten 1928
Kurgäste auf dem Weg ins Radiumbad
Niederschlema 1930

Ein Radiumforschungsinstitut

des späteren Max-Plank-Institutes aus Frankfurt/M. ermöglichte es der Wissenschaft, am Ort ihres Ursprungs die heilende Kraft der stärksten Radonquellen der Welt untersuchen zu können. Mit dem Ende des 2. Weltkrieges geriet auch das Schlematal unter sowjetische Besatzung, die sofort eine fieberhafte Suche nach Uran aufnahm. Im Herbst 1946 entstanden die ersten Bergwerksanlagen direkt im inneren Kurgebiet des Ortes, nach nur wenigen Monaten waren alle Heilquellen versiegt. Damit war das Ende des Radiumbades Oberschlema besiegelt. Fortan wandelte sich der Ort zu einem Zentrum des sowjetischen Uranbergbaus. Schon 1950 existierten 20 Großschächte mit über 25.000 Bergarbeitern in einer Gemeinde mit knapp 3.000 Einwohnern.

Die Schäden des bodennahen Bergbaus führten nach 1952 zur Aussiedlung der Einwohner und zum Totalabbruch des Ortskerns mit dem gesamten ehemaligen Kurzentrum. Aus dem ebenfalls im Uranbergbau versunkenen Ort Niederschlema und den Resten Oberschlemas entstand 1959 die Gemeinde Schlema.

Aus ihrem Dornröschenschlaf erwachte der Ort

mit der politischen Wende 1989/90. Schlemas Bürgermeister Konrad Barth scharte einen Kreis gleichgesonnener Bürger um sich, um mit ihnen die Wiedergeburt des Kurortes in Angriff zu nehmen.

Am Rand der Ortslage konnten neue Radonwässer erschlossen werden, die 1991/92 wissenschaftlich untersucht und in einer großen Studie den Nachweis erbringen konnten, dass ihre Heilkraft ungebrochen war. Neben der wissen-schaftlichen Unterstützung durch renommierte Professoren wie Pratzel, Schüttmann, Aurand, Jöckel und Kaul konnte mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf und seiner Gattin Ingrid die politische Schirmherrschaft gewonnen werden.

Seit Ende 1993 bietet eine neu gegründete Kurgesellschaft

wieder Kuren an, die seit dem ersten Tag regen Zuspruch erfahren. Die sich zu einem Sanierungsbetrieb gewandelte WISMUT rekultivierte die Schlemaer Ortslage grundlegend und schuf damit die Möglichkeit zur "Revitalisierung der Gemeinde Schlema" - ein Leitmotiv, mit dem Schlema sich zur Weltausstellung "Expo 2000" in Hannover präsentieren konnte.

Einen großen Gewinn stellte die Eingemeindung des Nachbarortes Wildbach im Jahre 1994 dar. Wildbach, eine kleine, landschaftlich äußerst reizvolle Gemeinde, ist genauso alt wie Schlema, doch in den Wirren der Zeit nahezu unberührt geblieben. So erstreckt sich der Ort in der ganzen Schönheit einer alten Waldhufendorfanlage im Norden des Gemeindebezirks, bereichert durch die Ruine einer alten Burganlage, der Isenburg, und bekrönt von einer imposanten Dorfkirche. Malerische Fachwerkhäuser und eine ländliche Idylle laden zu einem längeren Verweilen ein, dem Pensionen und Gasthäuser gern entsprechen können.

Seit Mitte der 1990er Jahre

wurden die Erfolge der Sanierung unübersehbar. Davon überzeugte sich auch Bundespräsident Roman Herzog im Sommer 1996 anlässlich eines Besuches. Im Bereich der alten Ortslage Radiumbad Oberschlema und ihrer Randgebiete entstanden ein in seiner Anlage einmalig großzügiger Kurpark und ein hochmodernes Kurmittelhaus mit dem Gesundheitsbad "Actinon", das täglich von durchschnittlich 1.200 Gästen aufgesucht wird. Die Einweihung des neuen Gesundheitskomplexes erfolgte im Oktober 1998 unter großer Anteilnahme der gesamten Öffentlichkeit.

Mit der Eröffnung des neuen Kurhauses

wurde der Gemeinde das Prädikat "Ort mit Heilquellenkurbetrieb" ver-liehen. Nach dem Zusammenbruch der Industrielandschaft in Nieder-schlema und der Einstellung des Bergbaus nach 1990 hatte sich der Ort aus eigener Kraft eine Perspektive gegeben, diese gegen alle Widerstände verfolgt und das "Wunder von Bad Schlema" ermöglicht, denn den Titel "Bad" führt der Ort seit 2005 wieder in seinem Namen. Heute gehört Bad Schlema zu den aufstrebenden jungen Kurorten. Doch es hat eine große, bewegende Tradition und ein Schicksal, das in seiner Brisanz seinesgleichen suchen kann.

Der Kurort Bad Schlema verfügt über attraktive Wohnlagen, ein breitgefächertes Vereinsleben, ein neues, vitales Kur-zentrum, eine moderne Infrastruktur und ein lebenswertes Umfeld, das auf engstem Raum Ruhe und Erholung, Kur und Genesung sowie Sport und Kultur bieten kann.

Text und Bildarchiv Dr. Titzmann